Die Eltern waren als verarmter Landadel aus dem Hinterland und entsprechend unwichtig. Ihr Wohnturm sollte eigentlich dringend renoviert werden, stand er doch im Frühstadium des Zerfalls. Doch die armen Bauern konnten nicht genügend Steuern zahlen, und das wenige musste auch noch weitergegeben werden, damit der Krieg finanziert werden konnte. Und wegen der unwichtige Lage war den Mächtigen der Zustand des Wehrturms sowieso egal.
Ikusha beneidete von klein auf jene Adligen, welche schöne Kleinder und teuren Schmuck an berauschenden Bälle zur schau trugen. Doch sie hasste diese auch, weil diese ihre Familie nur herablassend behandelten und sie gar ignoriert wurde. Trozdem träumte sie von einem schillernden Leben, Musik, Gedichten, Festessen, Pferden, Schmuck, Unterhaltung, Ansehen und all die anderen Annehmlichkeiten - und nicht zuletzt Macht...
Als sie 8 Jahre alt war, brannte eines Nachts durch einen Umfall der Wehrturm fast vollständig ab (daher Angst vor grossen Feuern). Nun war die Familie mittellos, ohne Zuhause und am Rande des Ruins. Sie bauten ein provisorisches Holzhaus, doch ob es je durch einen Turm ersetzt würde, stand in den Sternen. Ikusha war nun noch weiter vom berauschenden Leben am Hofe entfernt.
Doch zumindest für sie öffnete sich bald eine neue Türe. Ein alter Freund (Bendar Sordial) der Familie war bereit, sie als Gehilfin zu nehmen und sie in die Geheimnisse der Magie einzuweihen. Er wollte das Unglück der Familie lindern und ihm war auch nicht entgangen, dass Ikusha sehr intelligent war. Die Eltern waren froh, zumindest für sie eine Lösung gefunden zu haben, welche ihr den Aufstieg in höhere Schichten ermöglichen würde. Auch Ikusha war glücklich über dieses Angebot, denn sie würde nicht nur bei einem reichen und angesehen Magier leben, sondern auch Zugang zur gehobenen Gesellschaft haben. Sie würde in einem Federbett schlafen und gut essen, und Schmuck und...
...lernen! Sie musste schnell feststellen, dass sie vor allem lernen und arbeiten musste. Nicht, dass sie nicht gut und angenehm leben würde, aber ihr Meister lies sie von Anfang an hart arbeiten. Sie konnte das Leben nicht so geniessen wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie musste viel und fleissig lernen, um die hohen Anforderungen ihres Meisters zu erfüllen. Er machte ihr klar, dass ihr einziges Kapital ihr Wissen, ihr Können, ihre Intelligenz sei. Das gab ihr zwar den nötigen Ansporn, aber sie konnte sich nicht so recht für das Lernen erwärmen. Sie wendete zwar gerne Magie an, aber das ewige brüten über Büchern war nicht so ihre Lieblingsbeschäftigung.
So verbrachte sie ab dem 9. Lebensjahr ihre Lehre beim Magier. Sie machte zwar Fortschritte, aber nicht ganz so gut wie ihr Meister es wünschte. Doch im grossen und ganzen war er zufrieden. Mit 15 begann er sie als “Dienerin“ an Anlässe mitzunehmen. Er zählte zwar nicht zu den wirklich Mächtigen, war als Magier jedoch angesehen und einflussreich. So bekam Ikusha erste Einblicke und Kontakte zum Leben der reichen und adeligen. Sie genoss die Barden und Künstler, die schönen Kleider etc, auch wenn sie selber nur am Rande stand. Doch als Dienerin bekam man so manches mit. Zum einen waren die Diener geschwätzig und zum andern konnte man der Mimik und Gestik der Leute einiges entnehmen. Mit der Zeit wurde sie zu zwei weitern Augen, die ihrem Meister halfen, sich in den Machtspiele der mächtigen zu behauten. Mit der Zeit machte sie sich aber bei den Dienern unbeliebt, da sie sich gerne ein wenig aufspielte. Immerhin war sie adelig und bald eine mächtige Magierin!
Mit 17 begleitete sie ihren Meister dann nicht mehr als Bedienung sondern als Adeptin. Ihr Meister machte sie nach und nach mit den Leuten bekannt. Sie konnte nun endlich auch selber die Bälle und Feste geniessen, und sie konnte auch noch mehr Infos für ihren Meister sammeln. Doch dabei vernachlässigte sie ihre Studien und es kam zu der einten oder anderen Auseinandersetzung. Sie vernachlässige angeblich ihre Pflichten, zumal sie ihre Macht dann auch im Krieg einsetzen müsse. Es sei ihre Pflicht, ihr Können bestmöglich auszunutzen, um das Beste für ihr “Vaterland/König/Gilde“? zu geben. Dennoch unterstütze er ihre Informationsbeschaffung. So beschaffte sie ihrem Meister aus den Arbeitsräumen eines Gastgebers ein paar Informationen. Und sie begann, ab und zu kleine Gegenstände zu stehlen.
Als sich ein Jahr später die Lage weiter zuspitzte, und immer schlimmere Geschichten vom Krieg bekannt wurden, beschloss sie, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Sie plante, ein Schmuckstück oder sonst was zu stehlen und damit die Überfahrt und die Ausrüstung zu bezahlen. Denn ihren Meister konnte sie unmöglich um so viel Geld bitten. Er würde ihr solch einen Betrag nicht geben und selbst wenn, dann würde er ganz bestimmt wissen wollen, für was sie es brauche. Daher schlich sie während eines Banketts bei einem reichen Händler in dessen Haus herum und entwendete im Schlafzimmer ein Halsband. Sie verabschiedete sich danach beim Meister mit der Entschuldigung, dass sie Migräne habe. Zuhause packte sie ihren Besitz, schrieb ihrem Meister einen Brief, indem sie sich für die Aufnahme bedankte und entschuldigte sich für das verschwinden, aber sie wolle sich nicht in diesem Krieg aufopfern. Sie wolle wieder zurück zu ihrer Familie...
Sie reiste noch in der Nacht in Richtung Küste. In einer Stadt verkaufte sie den Schmuck und reiste weiter an die Küste. Dort kaufte sie sich eine Überfahrt und rüstete sich mit dem restlichen Geld aus... |